Tiefenpsychologisch fundierte Körperpsychotherapie
Die von George Downing entwickelte
Methode ist ein umfassender psychotherapeutischer Ansatz.
Mit ihm lässt sich ein breites Spektrum von psychischen Störungen behandeln:
Sowohl die Probleme von Neurotikern, als auch schwerere Störungen,
wie die der Borderline-Patienten, Psychosen, narzisstischen
Persönlichkeitsstörungen und psychosomatischer Krankheitsbilder.
Während vordergründig gesprächsorientierte Therapieverfahren das
„Selbst” eher als den reflektierenden Teil des „Ich” sehen, gehen
Körperpsychotherapeuten eher davon aus, dass das „Selbst” ein
„Körper-Selbst” ist, welches sich in der Beziehung zu den frühen
Bezugspersonen (meist Eltern, Geschwister) differenziert hat.
Downing arbeitet viel mit Säuglingen,
Kleinkindern und ihren Eltern und hat sehr differenziert mit
Video-Mikro-Analyse untersucht, wie Affekt-Motor-Schemata im Körper
entstehen, bzw. in ihrer Entstehung gestört werden.
Dabei konnte er nachweisen, dass das Sicherheitserleben von
Neugeborenen und Kleinkindern sich in gegenseitiger Beeinflussung
zu den frühen Bezugspersonen entwickelt.
Über Augenkontakt und das Äußern von Emotionen unter Einsatz
des gesamten Körpers stimuliert das Kind in den Eltern ein Gefühl von Glück,
welches den Wunsch nach Zuwendung und Versorgen intendiert.
Das Kind antwortet auf die erlangte Zuwendung mit
Steigerung seines Verhaltens.
Downing spricht davon, dass zwischen der Mutter und dem Kind
„ein Tanz” an Augenkontakt und Körperkontakt aufgeführt wird,
in dem beide einen bestimmten Rhythmus und eine Harmonie erlangen,
die für ihre Beziehung spezifisch sein können.
Um sich sicher und geborgen fühlen zu können, benötigt das Kind, dass
die Eltern den Fokus ihrer Aufmerksamkeit auf seine Bedürfnisse richten.
Viele Eltern, die ihrerseits von Eltern erzogen wurden, welche sich
entfremdet waren und unter Spannung litten, Trennung, Stress oder
gar Traumen erlebt hatten, haben diese Sicherheit selbst nie erfahren
und können sie damit auch nicht weitergeben.
Abgeleitet aus der Objektbeziehungstheorie beschreibt Downing,
dass sich im ersten Lebensjahr affektive und motorische Körperäußerungen
entwickeln, die er Affekt-Motor-Schemata nennt.
Es entwickeln sich Verbindungsschemata, die der zwischenmenschlichen
Verbindung dienen (das Kind streckt die Arme den Eltern entgegen),
aber auch so genannte Differenzierungsschemata der Abgrenzung und
des Schutzes (das Kind stemmt sich gegen einengendes Halten) sowie solche,
die den Raum um uns und den Zeitablauf strukturieren,
unseren inneren Rhythmus bilden.
Werden wir bei der Herausbildung dieser Schemata durch unsere frühen
Bezugspersonen nicht unterstützt, sei es, weil symbiotisches Bemuttern
wie eine dicke Schicht über uns gestülpt wird oder sei es aus
Vernachlässigung oder indem Erwachsene uns ihr Rhythmusgefühl aufzwingen,
so werden wir zu sozial funktionierenden Menschen, aber entfremdet
unserem Körper, unseren Gefühlen und unserem eigenen Rhythmus.
Körperpsychotherapie
bezieht sich auf ein Repertoire an Techniken, welche sowohl aus
verbalen, als auch aus körperorientierten Interventionen bestehen.
Der Therapeut leitet den Klienten zur Erforschung seiner
Affekt-Motor-Schemata an. Entsprechend dem Therapieprozess wird dem
Patienten vorgeschlagen, im Sitzen, Stehen oder liegend zu arbeiten.
Trotzdem handelt es sich in erster Linie um eine verbale Methode.
Der Dialog zwischen Therapeut und Patient zieht sich als roter Faden
durch den therapeutischen Prozess.
In diesen Dialog werden dort, wo es hilfreich erscheint, ausgewählte
Körpertechniken einbezogen.
Diese Körpertechniken, die verändernd auf Atmungsmuster und
Muskelstruktur einwirken, haben zwei Auswirkungen:
-
Sie ermöglichen einen direkten Zugang zum Affekt einschließlich
der unbewussten Gefühlskonflikte aus der Kindheit.
- Durch die schrittweise Veränderung des unbewussten Körperschemas
wird eine schnellere Veränderung anderer Aspekte der Persönlichkeit
möglich. Angestrebt wird vor allem eine verbesserte Körperwahrnehmung
und Differenzierung der Gefühle, verbunden mit einer zunehmenden
kognitiven Klärung.
Gefühlsarbeit findet dabei sowohl in ruhiger als auch in intensiver Weise statt.
Der wichtigste Unterschied zur Psychoanalyse liegt in der zusätzlichen
Verwendung von Körpertechniken.
Körpertechniken können die körperliche Berührung der PatientInnen einschließen
oder auch ohne jede körperliche Berührung vom Klienten durchgeführt werden.
Beides sind effektive Möglichkeiten, um zu beständigen Veränderungen
des Atemmusters, der Muskelorganisation und der körperlichen
Selbstwahrnehmung zu führen.
Der persönliche therapeutische Stil entscheidet, ob Körperberührung
eingeschlossen wird oder nicht.
Ich setze Körperberührung zurückhaltend, immer nach vorheriger Absprache
mit der PatientIn ein.
Ähnlich wie in der Psychoanalyse liegt ein Schwerpunkt auf der
systematischen Durcharbeitung von Konflikten aus der Vergangenheit,
wobei Übertragung und Gegenübertragung beachtet werden.
Auch diese Methode ist getragen von der Überzeugung, dass sowohl
ein kognitives als auch ein affektives Durcharbeiten notwendig sind.
Insbesondere stützt sich das theoretische Konzept auf die Objektbeziehungstheorie.
Ausführlich in
- Gisela Ehle:
-
„Das Gefühl der Sicherheit”
Störungen und deren Behandlung aus der Perspektive der Körpertherapie
Vortrag vor Psychotherapeuten
Potsdam, Mai 2002
- George Downing:
-
„Körper und Wort in der Psychotherapie”
Leitlinien für die Praxis
Kösel-Verlag, München 1996
Prof. Dr. sc. med. Gisela Ehle
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
Mitglied der Ärztekammer Brandenburg
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